Erklärung der Besetzer

Vor 2 Jahren wurde in Erfurt das besetzte Haus geräumt, in welchem es einen Umsonstladen gab, Kino und Diskussionsabende stattfanden, sowie Konzerte veranstaltet wurden. Es war ein selbstverwaltetes Zentrum, welches jedem die Möglichkeit gab frei und ohne gesellschaftliche Zwänge zu leben. Mit einem enormen Polizeiaufgebot und unter Einsatz von zwei Hubschraubern wurde das Haus gestürmt und die Bewohner in Gewahrsam genommen. Noch am selben Tag begannen die Abrissarbeiten.

Am 02. Februar diesen Jahres wurde ein besetztes Haus in der Liebigstr. 14 in Berlin geräumt, in welchem kollektiv und selbstbestimmt gelebt wurde. Seit Anfang der 90er Jahre besetzt, ermöglichten die Räumlichkeiten ein alternatives Zusammenleben in der Hauptstadt. Der große Symbolgehalt dieses Hauses zeigte sich in unzähligen Solidaritätsbekundungen, die über die Grenzen des Bundesgebietes hinausgingen.

Zum 385. mal findet nun in Weimar der Zwiebelmarkt statt, weithin als weltoffenes und tolerantes Volksfest bekannt, doch er ist weit weniger als das. Denn an diesem ersten Oktoberwochenende werden in Weimar auch Freiräume genommen. Menschen werden mit sexistischen, homophoben und rassistischen Äußerungen konfrontiert. Dies geht soweit, dass sie sich aus Angst vor Anfeindungen und Gewalt nicht aus dem Haus trauen werden. Alternative Menschen werden diesem Fest fernbleiben müssen, solange sie einem solch aggressiven Klima ausgesetzt sind. Ein Fest, welches auf solche Weise das gesellschaftliche Zusammenleben widerspiegelt und sich nur noch kommerziellen Zielen verpflichtet sieht, darf nicht akzeptiert werden.
Die sich seit Jahren verschlimmernden Zustände können nicht länger hingenommen werden. Unser Anliegen ist es deshalb einen gesellschaftlichen Diskurs anzuregen, welcher aus unserer Sicht schon lange überfällig ist. Um diesem Nachdruck zu verleihen, haben wir in der Nacht vom 06. Oktober zum 07. Oktober ein Haus in der Rudolf-Breitscheid Straße eingenommen um von dort aus auf die für uns inakzeptablen Missstände hier in Weimar und anderswo aufmerksam zu machen.
Wir lassen uns nicht aus der Gesellschaft verdrängen, nicht mit Räumungen, Ausgrenzungen oder Verboten. Wir werden uns unsere Freiräume erkämpfen und gegebenenfalls verteidigen.

Für selbstverwaltete Zentren auf der ganzen Welt – politische Kämpfe radikal führen.

RB15

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